Alle Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick nehmen


Kerstin Schreyer
Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales

Integration ist ein Schlüsselthema unserer Zeit. Dabei haben die Themen Flucht und Asyl seit nunmehr fast drei Jahren die größte Aufmerksamkeit. Es ist aber sehr wichtig, dass wir die Integration von allen anderen Menschen mit Migrationshintergrund nicht vergessen. Dabei geht es um die strukturelle und emotionale Integration.

15 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund in Bayern haben einen Fluchthintergrund, die anderen 85 Prozent leben zum Teil seit Jahrzehnten in Bayern. Dies verdeutlicht, warum bei der Integration alle Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick genommen werden müssen.

Rund drei Millionen Menschen in Bayern haben einen Migrationshintergrund, das sind etwa 23,3 Prozent der in Bayern lebenden Menschen. Fast jeder vierte Mensch in Bayern hat also einen Migrationshintergrund. Damit liegt Bayern über dem Bundesdurchschnitt: Bundesweit haben rund 22,6 Prozent Menschen einen Migrationshintergrund. Bei jungen Menschen sind die Zahlen noch
größer. In Bayern haben fast 30 Prozent der jungen Menschen bis 25 Jahren einen Migrationshintergrund. Und diese Zahlen werden weiter ansteigen. Sie verdeutlichen, wie groß die Integrationsaufgabe ist.

Bei der Integration geht es um die strukturelle und die emotionale Integration. Strukturelle Integration heißt, dass die Menschen selbstständig und eigenverantwortlich in unserem Land zurechtkommen. Hier geht es um Fragen wie Wohnen und Arbeit. Das bekommen wir recht gut hin. Viel schwieriger ist die Frage der emotionalen Integration. Also die Frage, wie die Menschen mit ihren Herzen bei uns ankommen. Nur wenn dies gelingt, gelingt echte und dauerhafte Integration.

Dabei ist zentral, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund auf das Leben in unserem Land einlassen. Wir haben uns mit dem Grundgesetz, der Bayerischen Verfassung, dem Integrationsgesetz und den Werten, die uns verbinden, darauf verständigt, wie wir in Bayern leben wollen. Und diese Werte sind nicht verhandelbar. Wir haben uns auf Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und darauf geeinigt, wie wir mit Staatsautoritäten wie Polizei und Gerichten umgehen. Auch diese Prinzipien sind nicht verhandelbar.

Das müssen wir den Menschen, die zu uns kommen, erklären. Wie wir leben, welche Werte unsere Gesellschaft verbinden und zusammenhalten – und dass die zu uns kommenden Menschen deshalb ihre Kultur und ihren Glauben nicht verleugnen müssen. Sie müssen aber lernen, in dieser Gesellschaft mit ihren Regeln, Normen und Umgangsformen zurechtzukommen.