Der erste Schritt auf dem Weg zu einer menschlichen Begegnung ist das aufeinander Zugehen

Susanne Knott

Das geheimnisvolle und unbekannte zu entdecken treibt die Menschen seit Jahrtausenden um. Menschen aus anderen Ländern bringen die Vielfalt zu uns. Sie ermöglichen uns die Welt in vielen Facetten zu entdecken. In der menschlichen Begegnung können wir viele Gemeinsamkeiten entdecken, die uns über die unterschiedlichen Kulturen hinaus verbinden.

Mein Name ist Susanne Knott. Ich arbeite als Erzieherin in einer Kindertagesstätte in München. Seit 26 Jahren bin ich im Familienzentrum Poing e.V. engagiertes Mitglied und seit 2015 Vorsitzende des Vereins. Die Faszination der verschiedenen Kulturen hat mich immer schon interessiert. Meine Neugier auf Neues und Unbekanntes hat mir die menschliche Begegnung mit den Flüchtlingen erleichtert. Ich habe dabei viel über mich gelernt.

Integration, als gemeinsames Lernen und Erfahren, kann gelingen, wenn dies von allen Generationen als wertvoller und notwendiger Bestandteil des Zusammenlebens geschätzt wird. In allen Bereichen des Zusammenlebens sind gemeinsame Werte von großer Wichtigkeit. Respekt, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Zuneigung und Mitgefühl sind wichtige Bestandteile des Zusammenlebens, die uns Halt und Orientierung geben. Begegnen wir uns einander so, wie ich es mir auch für mich wünsche. Damit ist ein erster Schritt der Integration gelungen.

Ich habe 2016 einen Asylbewerber kennengelernt, weil er die Begleitung zu einem Arzt brauchte. Wir haben es gleich gut verstanden, mit unserem geringen Wortschatz der jeweils anderen Sprache, miteinander zu kommunizieren. Nachdem wir über Monate die Arztbesuche gemeinsam bewältigt hatten, habe ich ihn eingeladen meine Familie kennenzulernen. Anfang 2017 wurde ich von anderen Flüchtlingen gebeten, einen Asylbewerber, zum Arzt zu begleiten. In seiner besonderen Situation habe ich den Asylbewerber über sehr lange Zeit intensiv begleitet und ihm die Sicherheit gegeben, dass er sich auf mich verlassen kann. Zu beiden Flüchtlingen habe ich nach wie vor einen guten Kontakt. Schöne Unternehmungen und gemeinsames Essen stärken unsere Verbindung. Eine zuverlässige Unterstützung bei Alltagsproblemen ist ihnen von mir sicher.

Schon Ende 2013 hat das Engagement des Familienzentrums Poing e.V., initiiert durch das damalige Vorstandsmitglied Carolina Phillips, mit Angeboten für Flüchtlinge begonnen. Konkrete Hilfe bei Alltagsproblemen, Deutschkurse, Café intern., Offener Lerntreff, Patenschaften, waren die Schwerpunkte. Ich selber habe 2016 einmal in der Woche das Café international betreut. Außerdem habe ich regelmäßig die Flüchtlinge in der Traglufthalle besucht, um mit ihnen zu sprechen. Wir haben uns darüber unterhalten was ihnen wichtig ist, wie sie sich ihr Leben in der neuen Heimat vorstellen und wie sie ihre Ziele umsetzen wollen. In vielen Gesprächen habe ich versucht ihnen Antworten zu
gegeben, damit sie sich in diesem neuen und unbekannten Leben etwas leichter orientieren können.