Vertrauen ist die Brücke zur Akzeptanz

Omid Atai
Jugendbeauftragter und Mitglied im Gemeinderat der Gemeinde Poing

Egal wo wir sind, wohin wir kommen und was wir machen wollen, sobald wir nicht mehr alleine sind, müssen wir uns immer die Frage gefallen lassen: Was erwartet der Gegenüber von mir oder auch Anders rum, was erwarte ich vom Gegenüber?

Erwartungen sind nichts Schlimmes aber leider auch kein Segen, eigentlich was Normales. Problematisch sind Erwartungen dann, wenn sie einem Menschen oder einer Gruppe keine Perspektive bieten.  Diese Erwartungen können und werden nicht positiv sein, es sind nämlich Vorurteile. Und genau diese Vorurteile sind das Problem der gesamten Asyldebatte.

Eine Gruppe Asylbewerber ist zudem nicht homogen, sondern heterogen. Sie ist kein Parameter, sie ist auch keine positive oder negative Zahl, sondern es sind Menschen auf der Flucht, darin liegt ihr gemeinsamer Nenner.

Ihre individuellen Erfahrungen treffen auf Unsere.

Ihre individuellen Erwartungen treffen ebenfalls auf Unsere.

Ihr individuelles Dasein ist unsere gesamtgesellschaftliche Herausforderung.

Zur Ehrlichkeit der Debatte gehört, dass die Gesellschaft diese Herausforderungen angenommen hat. Die vielen Helferkreise haben versucht auf die Erfahrungen und Erwartungen der Asylbewerber einzugehen. Diese Leistung war ein Erfolg unserer Gesellschaft. Dennoch müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt feststellen: Wir haben nicht geschafft die Akzeptanz herzustellen. Der beidseitig gegebene Vertrauensvorschuss ist enttäuscht worden. Der Zusammenhalt wurde nicht gefestigt, vielmehr schwindet er.

Vertrauen ist aber die Brücke zur Akzeptanz.

Wir waren schon sehr weit vorangeschritten und der Akzeptanz sehr nah, aber die Akzeptanz wurde von Entscheidungen einiger weniger Mächtigen verbaut.

Das Vertrauensarbeit jetzt noch härter wird, müssen sich nicht die engagierten Helfer vorwerfen lassen oder die Gesellschaft. Diese Verkomplizierung hat der Staat mit seinen regierenden Politikern und seinem Verwaltungsapparat zu verantworten. Diese Versäumnisse werden sich nun über Jahrzehnte auf das Miteinander unserer gewachsenen Gesellschaft auswirken.